Faherzeuge

Seit mehr als 70 Jahren stellt Ferrari einige der schönsten Berlinette her, die man sich vorstellen kann. Hier eine Hommage an einige der bedeutendsten Modelle

Von Anfang an umfasste Enzo Ferraris Sportwagen-Ethos die Art von Modellen, mit der man stilvoll zur Rennstrecke fahren, dort seine Runden drehen und danach wieder nach Hause rauschen kann. Es war ein Autostil, der in Italien ab den 1930er Jahren als Berlinetta bezeichnet wurde: ein zweitüriges Coupé mit entweder zwei oder zwei plus zwei Sitzen und einem kraftvollen, sportlichen Motor, der sich ebenso gut für die Straße wie für die Mille Miglia eignete.

Eines der frühesten Exemplare einer Ferrari Berlinetta gewann 1948 genau dieses Rennen. Der 166 S mit Allemano-Coupé-Karosserie wurde von einem 2-Liter-V12-Motor angetrieben, der das Auto auf eine atemberaubende Geschwindigkeit von 170 km/h bringen konnte. Doch erst später, im Jahr 1956, beschloss Enzo Ferrari, diesen Namen zu einer offiziellen Modellbezeichnung zu machen – der 250 GT Berlinetta war geboren.  


Der 250 GT Berlinetta von 1956 war ein Auto, das sich sowohl auf der Straße als auch auf der Rennstrecke auszeichnete

Obwohl auch andere Hersteller den gleichen Ausdruck verwendet haben, ist nur das Cavallino Rampante zum Synonym für den Namen Berlinetta geworden: Es präsentiert ständig neue Berlinetta-Konzepte, die die Grenzen von Stil, Innovation und Leistung austesten. 

Die vom italienischen Karosseriebauer Scaglietti entworfene 250 GT Berlinetta gilt noch heute als eines der attraktivsten Sportcoupés, das je gebaut wurde, und wurde mit dem 3-Liter-V12-Motor von Gioacchino Colombo ausgestattet.  Aufgrund ihrer unübertrefflichen Leistungen beim Tour de France-Langstreckenrennen, das sie ab 1956 vier Jahre in Folge gewann, wurde sie inoffiziell als TdF bezeichnet. 1959 wurde der Radstand um 20 cm verkürzt, was zur Bezeichnung Passo Corto (kurzer Radstand) führte, um ihn von der früheren Version Passo Lungo (langer Radstand) zu unterscheiden. 


Ferrari hat sich den Begriff Berlinetta über viele Jahrzehnte zu eigen gemacht, mit einigen atemberaubenden Beispielen, darunter der legendäre 512 BB, der 296 GTB und der 348 TB

1962 verwendete Maranello die Bezeichnung erneut, diesmal bei einem Modell, das eine deutliche Abkehr von der sportlichen Ausrichtung der früheren Modelle hin zu einem luxuriöseren Erlebnis für den Besitzer mit feinerer Ausstattung markierte. Von Pininfarina entworfen, galt die Ferrari 250 GT Berlinetta sofort als eines der schönsten Autos der Welt und wurde von Filmstars und Rockikonen gleichermaßen begehrt. 

Bei nachfolgenden Modellen wurde der Name Berlinetta in das Akronym aufgenommen, das für Ferraris Straßensportwagen zur Norm wurde – vom 275 GTB von 1964 bis hin zum neuesten Coupé, dem 296 GTB – und für Gran Turismo Berlinetta steht. 

Es gab ein paar Ausnahmen von dieser Namensphilosophie. Die erste kam 1971 mit der Enthüllung des 365 GT4 BB, wobei das BB angeblich für Berlinetta Boxer stand. Der 365 GT4 BB hatte einen 4,4-Liter-180-Grad-V12-Motor, wobei sich das BB auf die zwei Reihen von sechs Zylindern bezog, die einen „flachen“ V12 gestalteten, wie sie für die damaligen Wagen der Scuderia Ferrari typisch waren.  Dieses neue Design zahlte sich aus: Der 365 GT4 BB war das erste Ferrari-Straßenauto, das 300 km/h erreichte. 


Der F12berlinetta war ein echter Game Changer, als Ferrari ihn 2012 auf den Markt brachte. Das schnellste Auto, das je aus Maranello kam, sprengte die Grenzen der Aerodynamik und erhielt begeisterte Kritiken

In den 1980er Jahren wurde der 328 GTB, neben dem unverkennbaren Testarossa und F40, durch den 348 TB ersetzt, wobei sich das „T“ auf das Quergetriebe („trasversale“) und das „B“ wieder auf Berlinetta bezog. Dann stellte die Marke 1997 den F355 F1 Berlinetta mit einem elektrohydraulisch betätigten Handschaltgetriebe vor, das direkt von den Formel-1-Autos des Unternehmens abgeleitet war und für schnelle Schaltungen Schaltwippen hinter dem Lenkrad einsetzte. Das Modell war ein Riesenerfolg: Der 3,5-Liter-V8-Motor mit 380 PS ermöglichte eine Höchstgeschwindigkeit von 295 km/h und eine Beschleunigung von 0 auf 100 km/h in nur 4,7 Sekunden. 

Die Bezeichnung Berlinetta kehrte mit dem F12berlinetta von 2012, der mit seinem Styling und seiner Leistung Fans auf der ganzen Welt begeisterte, zum 12-Zylinder-Modellnamen zurück. Ein 6262-cm³-V12-Motor mit Direkteinspritzung machte ihn zum schnellsten und leistungsstärksten Serienauto, das die Marke je gebaut hatte, mit einer Beschleunigung von 0-100 km/h in nur 3,1 Sekunden und einer beeindruckenden Höchstgeschwindigkeit von 340 km/h. 

Der F12berlinetta ging neue Wege in der Aerodynamik und verwendete 12 verschiedene Legierungen, um Gewicht zu sparen. Der Motor bot 740 PS. Die Reaktion der Weltpresse war einstimmig: „Überraschend“, „aufregend“ und „ein totaler Triumph“ waren nur einige der Lobeshymnen für den Wagen. 

Das letzte Kapitel in der bisherigen Geschichte der Berlinetta kam 2021 mit der Einführung des 296 GTB mit Heckmittelmotor. Mit einem innovativen 3-Liter-V6-Plug-in-Hybridantrieb, der gewaltige 830 PS produziert, setzt er die äußerst erfolgreiche V8-Berlinetta-Linie fort, die 1975 mit der Einführung des 308 GTB begann. Das Berlinetta-Erbe wird so voller Würde am Leben erhalten.