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Mit dem ersten Sechszylindermotor in einem Straßenauto des Cavallino Rampante und der Hybrid-Motortechnologie ist der 296 GTB ein revolutionärer Schritt für die Marke. In diesem Sommer wurde er in den anspruchsvollen Hügeln im Piemont auf Herz und Nieren getestet
Text: Gianemilio Mazzoleni
Fotos: John Wycherley; Filmeditor: Rowan Jacobs

Sechs Kurven auf der magischen Panoramica Zegna am Steuer des Ferrari 296 GTB genügen, um einem einen freudigen Schauer über den Rücken zu jagen und ein breites Lächeln auf das Gesicht zu zaubern. Sechs ist eine symbolische Zahl; in Wirklichkeit lässt der Rausch der Gefühle nicht lange auf sich warten und man wünscht sich bald, diese Kurven mögen niemals zu Ende gehen.


Warum? Weil der neue Motor des 296 GTB über sechs Zylinder verfügt und der erste V6-Motor ist, den die Marke jemals in ein Serienfahrzeug eingebaut hat. So wurde ein völlig neues Segment für die Ferrari-Baureihe eröffnet. Wer sich auch nur ein bisschen darüber wundert, dass ein Ferrari von einem so ‚kleinen‘ Motor angetrieben wird, sei daran erinnert, dass auch die Formel-1-Autos aus Maranello mit einem Sechszylinder ausgestattet sind. 


Der 296 GTB strahlt Agilität aus. Seine Linienführung ist frei von aerodynamischen Anhängseln, was die Reinheit des Designs und das Gefühl der Kompaktheit weiter verstärkt

Alle verbliebenen Zweifel werden durch die Eckdaten dieses neuen Antriebsaggregats sicherlich zerstreut: Der V6-Motor mit 2.992 cm³ entfesselt 663 PS und ist mit einem 167 PS starken Elektromotor gekoppelt, der die Gesamtleistung auf kolossale 830 PS steigert. 


Aber gerade die Tatsache, dass es sich um einen Sechszylinder mit dem revolutionären 120-Grad-Winkel zwischen den Zylinderreihen handelt, bedeutet, dass er leicht und kompakt ist. Und das bei einem sehr niedrigen Schwerpunkt. Für jeden, der das Glück hat, hinter dem Lenkrad des 296 GTB Platz zu nehmen, bedeutet das schlichtweg atemberaubende Leistung und einen Rausch der Gefühle wie beim Go-Kart-Fahren. 


Werfen Sie einen Blick hinter die Kulissen mit unserem exklusiven Filmmaterial vom Dreh des 296 GTB

Schon auf den ersten Blick strahlt der 296 GTB Wendigkeit aus. Er hat den kürzesten Radstand in der Ferrari-Baureihe und ruft sofort ein paar der glorreichsten SWBs aus der illustren Vergangenheit der Marke in Erinnerung. Auch sein muskulöses Heck erinnert an den legendären Ferrari 250 LM, allerdings in einem sehr modernen Look, der durch einen großen mittleren Auspuff betont wird. Die Silhouette des Fahrzeugs ist frei von jeglichen Aerodynamik-Anhängseln, was die Reinheit des Designs und die Kompaktheit des Fahrzeugs noch zusätzlich unterstreicht.


Um uns von seiner adrenalingeladenen Wendigkeit zu überzeugen, haben wir den 296 GTB auf der Panoramica Zegna, einer außergewöhnlichen Serpentinenstraße in den Bergen des Piemonts in knapp 1.000 m Höhe über der weitläufigen Poebene getestet. 


Die visierförmige Windschutzscheibe schiebt das Fahrerhaus optisch nach vorne; die Scheinwerfer mit Tropfenprofil sind ein Novum; Die volldigitale Schnittstelle wird durch ein hybrides eManettino ergänzt

Der Bau der Straße war von Ermenegildo Zegna, dem Gründer der berühmten Wollspinnerei, veranlasst worden, um eine touristische Route durch eine Oase von Rhododendren, Azaleen und Hortensien zu erschaffen. Damals, in den 1930er Jahren, war sie ein gewaltiges technisches Meisterwerk, das von Männern mit Spitzhacken und Sprengstoff in den Fels gehauen wurde, die nur den Kurven der Berge und ihrem eigenen Instinkt folgten. 


Instinkt ist auch das erste, was man spürt, wenn man in diesem Auto auf das Gaspedal tritt. Der 296 GTB erweckt sofort enormes Vertrauen – er ist so reaktionsschnell, dass er auf unerklärliche Weise sowohl die Straße als auch die Absichten des Fahrers vorwegzunehmen scheint. Einfach ausgedrückt: Er macht alles, was Sie wollen. Und er wird mit jeder Kurve ungeduldiger, weil er eine Kombination aus scheinbar grenzenloser Leistung und beeindruckendem Drehmoment besitzt. 


Das Shooting fand entlang der spektakulären Panoramastraße von Zegna im Naturschutzgebiet Oasi Zegna in den Biella-Alpen im Nordwesten Italiens statt

Wenn Sie dann vor einer Kurve hart bremsen, hören Sie dieses verräterische Knattern aus dem Auspuff, das diesen V6 eher wie einen 12-Zylinder erscheinen lässt und den Adrenalinspiegel in neue Höhen treibt. Nachdem Sie die 26 Kilometer langen Kurven der Panoramica in herrlicher Trance hochgeklettert sind, ist es an der Zeit, durchzuatmen, umzukehren und auf demselben Weg zurückzufahren. Diesmal mit der Gelegenheit, den Blick über die fantastische Umgebung schweifen zu lassen. 


Es herrscht absolute Stille, nur das leise Surren des Elektromotors ist zu hören. Aber auch er erreicht blitzschnell 120 km/h, wenn man sich nicht beherrschen kann, das Gaspedal durchzudrücken.


08 febbraio, 2022