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Diesen Monat vor 22 Jahren gewann Michael Schumacher in Imola und Ferrari war auf dem Weg zu seinem ersten Fahrertitel seit mehr als 20 Jahren
Text: Gavin Green

Der Große Preis der Emilia-Romagna findet diesen Sonntag in Imola statt. Ein Ferrari-Fahrer, Charles Leclerc, liegt in der Weltmeisterschaft 2022 deutlich in Führung und Ferrari hat in der Konstrukteursmeisterschaft einen großen Vorsprung. Ferrari hat die Saison bisher dominiert: schnellster Fahrer, bestes Auto.


Die Parallelen zu vor 22 Jahren sind spürbar. Heute wie damals erlebt Ferrari eine Formel 1-Renaissance. Heute wie damals liebäugelt ein junger Fahrer damit, sich der ehrwürdigen Riege der Ferrari-Weltmeister anzuschließen. 


Es ist 15 Jahre her, seit ein Ferrari-Fahrer zum Champion gekrönt wurde. 2000 waren es 21 Jahre gewesen, obwohl damals drei Konstrukteurstitel den Schmerz etwas linderten.


Ebenso wie Michael Schumacher vor 22 Jahren möchte auch Charles Leclerc im Jahr 2022 Geschichte schreiben.


Michael Schumacher ist mit Abstand der erfolgreichste Ferrari-Formel-1-Fahrer aller Zeiten: 72 GP-Siege und diese fünf Titel

Der Große Preis von San Marino in Imola am 9. April 2000 war die dritte Runde im Rennen um den Weltmeister-Titel. Schumacher wollte auf der Rennstrecke in der Emilia Romagna östlich von Bologna seinen Hattrick aus Grand-Prix-Siegen vervollständigen. Der Deutsche hatte zuvor in Australien und Brasilien gewonnen, obwohl der amtierende Doppelweltmeister Mika Häkkinen in seinem McLaren-Mercedes bei beiden Rennen auf der Pole gestanden war. In beiden GPs kämpfte Häkkinen mit Zuverlässigkeitsproblemen. So hatte Schumacher in der Weltmeisterschaft einigen Vorsprung, als die Fahrer nach Imola kamen. Auch hier sind die Parallelen zu 2022 und Titelverteidiger Max Verstappen deutlich.

Imola nimmt für Ferrari einen besonderen Platz ein und das Autodromo Internazionale Enzo e Dino Ferrari ist ein Ort, an dem Ferrari gerne gewinnt

Imola nimmt für Ferrari einen besonderen Platz ein. Erstens liegt es in Italien, also werden die Tifosi wie in Monza die Fahrer lautstark anfeuern und eine rote Welle bilden. Zweitens ist die Rennstrecke nach dem Gründer von Ferrari und seinem Sohn benannt. Das Autodromo Internazionale Enzo e Dino Ferrari ist ein Ort, an dem Ferrari gerne gewinnt. 


Im Jahr 2000 war Schumacher in Imola enttäuscht, dass Häkkinen ihn im Qualifying erneut geschlagen hatte. Er startete von Rang zwei, erkämpfte sich schnell den zweiten Platz und liefert sich dann die ganze Zeit über ein erbittertes Duell mit dem Flying Finn. Als Häkkinen seinen zweiten geplanten Boxenstopp einlegte, erkannte er seine Chance, ‚pushte sehr hart‘, um seine Führung auszubauen, und blieb nach seinem zweiten blitzschnellen Stopp vorne. Er gewann mit etwas mehr als einer Sekunde Vorsprung. 


Drei von drei Siegen und Ferrari schien für seinen ersten Fahrertitel seit Jody Scheckter im Jahr 1979 bereit. Aber die Formel 1 ist selten vorhersehbar … Häkkinen gab nicht auf, gewann vier Rennen, und als der Große Preis von Italien im September bevorstand, führte der McLaren-Fahrer das Titelrennen an. Das Schicksal in der F1 kann sich schnell ändern, wie Charles Leclerc sicher weiß.


Schumacher startete von Rang zwei und gewann mit etwas mehr als einer Sekunde Vorsprung

Zum Glück für die Scuderia holte Schumacher in Monza mit seinem Teamkollegen Rubens Barrichello einen Doppelsieg für Ferrari. Der quirlige Deutsche gewann die verbleibenden drei Grand Prix und sicherte sich damit seinen ersten Weltmeistertitel für Ferrari.


Es war sein erster von fünf Fahrertiteln in Folge für die Scuderia. Er ist mit Abstand der erfolgreichste Ferrari-Formel-1-Fahrer aller Zeiten: 72 GP-Siege und diese fünf Titel. Niki Lauda ist mit 15 Siegen und zwei WM-Titeln weit abgeschlagen. 


Sein Gewinn der Weltmeisterschaft 2000 war knapp. Im Vergleich dazu herrschte 2001 die totale Dominanz. Schumacher gewann neun Rennen und erzielte mehr als doppelt so viele Punkte wie sein nächster Rivale. Seinen letzten Weltmeistertitel 2004 holte er sogar noch überlegener: Er gewann 12 der ersten 13 Rennen und 13 von 18 Rennen.


Nach zwei weiteren Saisons für Ferrari erklärte er 2006 seinen Rücktritt. Er übernahm die Rolle des ‚Superassistenten‘ des Teams, bevor er zum neuen Formel-1-Team von Mercedes-Benz wechselte. 2013, nur wenige Wochen vor seinem 45. Geburtstag, erlitt er beim Skifahren ein schweres Schädel-Hirn-Trauma und befindet sich immer noch in der Rehabilitation.