Rennen

1975 schenkte Niki Lauda Ferrari den ersten Weltmeistertitel seit 11 Jahren. Die Geschichte dieser erfolgreichen Saison begann ganz klar in Monaco
Text: Gavin Green

Beim Großen Preis von Monaco 1975 kehrte Ferrari auf die Siegerstraße zurück.

Elf Jahre waren vergangen, seit die Scuderia eine Weltmeisterschaft gewonnen hatte, und 20 Jahre seit dem letzten Sieg im Monaco, dem prestigeträchtigsten aller Grand Prix.

Die Kombination aus einem neuen Auto, dem 312T, einem neuen Fahrer (Niki Lauda) und einem neuen Teammanager sollte Ferrari wieder an die Spitze der Startaufstellung bringen. Die Scuderia sollte die nächsten drei Saisonen dominieren, einen Hattrick bei den Konstrukteurstiteln (1975, 1976 und 1977) schaffen und Lauda zu drei Jahren Dominanz und zwei Weltmeistertiteln beflügeln. Ohne seinen berühmten Crash auf dem Nürburgring, der beinahe tödlich geendet hätte, wäre mit ziemlicher Sicherheit auch ein Hattrick bei den Fahrertiteln drin gewesen.

Niki Laudas Saison 1975 würde Ferrari den ersten Weltmeistertitel seit 11 Jahren bescheren

Monaco 1975 war der Beginn für Ferraris Revival. Es war wahrscheinlich auch der größte der 15 F1-Siege, die Lauda für Ferrari erzielen sollte.


Auf den verwinkelten Straßen von Monaco, der fünften Runde der Meisterschaft, holte der 26-jährige Lauda in dieser Saison seinen ersten von fünf Siegen. Er nahm mit satten 0,69 Sekunden die Poleposition ein. Am Renntag regnete es stark und der Grand Prix begann unter tückischen Bedingungen. Lauda führte von Anfang an. Mehrere Autos crashten hinter ihm, in einem der unfallreichsten Rennen der Formel-1-Geschichte. Lauda fuhr souverän weiter, dabei standen seine Geschwindigkeit und Ruhe im Gegensatz zu seinem jungen Alter. Abgesehen von seinem Boxenstopp zum Wechseln auf Slick-Reifen, als die Strecke trocknete, führte er jede Runde an. Er dominierte dieses Rennen und besiegelte den Titel 1975 passenderweise beim Großen Preis von Italien vier Monate später. 


Nach einem der unfallreichsten Rennen der F1-Geschichte sicher (und vorne) die Ziellinie von Monaco überqueren

Laudas Verpflichtung von Enzo Ferrari für die Saison 1974 war Teil einer enormen Umstellung bei Maranello. Nach mehreren Jahren, in denen die Leistungen zu wünschen übrig ließen, stellte er neue Fahrer und den 26-jährigen Luca di Montezemolo, einen Schützling von Fiat-Chef Gianni Agnelli, als Teammanager ein.


Für 1975 gab es ein neues Auto, den 312T, eine der besten F1-Maschinen, die dem kreativen Kopf des technischen Direktors Mauro Forghieri entstammte. T stand für trasversale, nach seinem quer montierten Getriebe, ein kompakteres Design, das die Balance des Fahrzeugs verbesserte. Der 12-Flat-Motor des Autos war auch der stärkste in der Startaufstellung. Der 312T war das beste F1-Auto der Saison, und Lauda nutzte ihn gut.


Wenn Monaco 1975 Laudas bedeutendster Ferrari-Sieg war, war seine großartigste Fahrt –  und sicherlich seine tapferste –  ein Rennen, das er nicht gewann: der Große Preis von Italien 1976.


Laudas Titelverteidiger-Saison 1976 hatte gut begonnen. Er gewann fünf der ersten neun Rennen, darunter erneut Monaco. Dann kam der Große Preis von Deutschland am Nürburgring und der Crash, der ihm fast das Leben gekostet hätte. Sechs Wochen später, beim Großen Preis von Italien, feierte er das größte Comeback in der Formel-1-Geschichte.


Glückliche Zeiten: Lauda erhält seinen Pokal von der Fürstin von Monaco, Grace Kelly

Furchtbar vernarbt, klarerweise verängstigt – ‚in Monza war ich starr vor Angst‘, schrieb er später – und körperlich weit davon entfernt, fit zu sein, stach Lauda seine beiden Teamkollegen (von denen als Ersatzfahrer engagiert worden war) beim Qualifying aus und belegte einen großartigen vierten Platz. Als er nach dem Rennen seine schweißnasse Balaclava abnahm, war sie blutgetränkt.


Er verlor den Titel dieses Jahres um einen einzigen Punkt an seinen Rivalen und Freund James Hunt. 


Laudas Rennkarriere hatte problematisch begonnen. Von seiner wohlhabenden Wiener Familie (der seine Rennambitionen ein Dorn im Auge waren) finanziell im Stich gelassen, lieh er sich Geld, um seine frühe Karriere zu finanzieren. Nach zwei erfolglosen Jahren in der F1 wurde er von Enzo Ferrari für die Saison 1974 verpflichtet und sollte ihm schnell beweisen, dass er zu Recht an ihn geglaubt hatte. 


Er verließ Ferrari nach seinem Triumph von 1977 und sollte 1984 die Meisterschaft erneut gewinnen, als er für McLaren fuhr. 1985 trat er zurück, gründete seine eigene Fluggesellschaft und kehrte in den 90er Jahren als Ferrari F1-Berater zurück. 


Er starb 2019 im Alter von 70 Jahren und wurde zu Recht als einer der Formel-1- und Ferrari-Größen aller Zeiten gefeiert. Und sicherlich als der mutigste.