Das Andenken einer Epoche

12 November 2020

Vincenzo Borgomeo

Mehr als 300 Ferrari-Objekte für echte Fans kommen bei einer Sotheby’s-Auktion unter den Hammer: von Spielzeugautos aus Metall aus den 1950er Jahren über Handbücher für seltene Autos (wie zum Beispiel dem 166M) bis hin zu den Turbinen des F40 und handgeschriebenen Briefen von Enzo Ferrari von unschätzbarem Sammlerwert


Der Liebe zu – oder besser gesagt die Leidenschaft für – Ferrari kennt keine Grenzen: RM Sotheby's hat die Auktion „Open Roads, Fall“ (rmsothebys.com), gestartet, bei der über 300 Ferrari-Sammlerstücke versteigert werden. Noch bis zum 20. November besteht die Möglichkeit, ein Stück Geschichte aus Maranello mit nach Hause zu nehmen. Wie so oft zur Zeit findet die Versteigerung ausschließlich online statt.

In seiner offiziellen Ankündigung spricht Sotheby's von „seltenen und aufregenden Artikeln“ – und bringt es auf den Punkt: Die zum Verkauf stehenden Stücke sind jedes für sich eine kleine Liebeserklärung an das Unternehmen aus Maranello. Da wären zum Beispiel ein Aschenbecher aus Keramik mit Nardi-Lenkrad und Ferrari-Logo, Poster, alte Kalender und sogar Pressemitteilungen und Wagenheber zum Reifenwechsel. Einfache Objekte, die aber wie echte Reliquien aufbewahrt wurden. Dies beweist auch ihr tadelloser Erhaltungszustand: Sie alle sehen wie neu aus.

Unter den Stücken befinden sich auch echte Perlen: Dekoelemente mit Ferrari-Logo, Lederware von Schedoni, die zusammen mit den GT-Autos angeboten wurden, und Originalbroschüren. Wunderschön sind auch einige der Auspuffrohre, die Turbinen des F40 (die mehr wie Skulpturen als wie Motorteile aussehen) und die von Enzo Ferrari und Michele Alboreto signierte F1-Postkarte. Nicht zu vergessen der Original-Formel-1-Helm der Scuderia Ferrari von 1961 oder die Uhr, die von Girard Perregaux in limitierter Auflage für den Ferrari F50 hergestellt wurde. Und dann sind da natürlich noch die Originalschlüssel einiger Modelle (es handelt sich um „jungfräuliche“ Versionen, also Rohlinge, aus denen Duplikate für Autoschlüssel angefertigt werden können): Nützlich nicht nur für Sammler, sondern auch mit praktischem Wert. 

Wenn Sie einen Daytona in der Garage stehen haben und einen Zweitschlüssel benötigen, schlagen Sie zu! Für alle anderen gibt es historische Schlüsselanhänger – mit verchromten Ring und emailliertem Wappen mit dem sich aufbäumendem Pferd. Auch diese sind unbenutzt, einige befinden sich sogar noch in ihrer Originalverpackung aus Seidenpapier.

Eine eigene Gruppe bilden die kleinen Bedienungs- und Wartungshandbücher: Bei den modernen Autos kommen diese praktisch nicht mehr vor und wurden durch in die Multimediasysteme integrierte Anleitungen ersetzt. Einst waren sie aber von grundlegender Bedeutung, um die Betriebsweise des Autos zu verstehen. RM Sotheby's hat hier Stücke von unschätzbarem Wert im Angebot, wie zum Beispiel die Handbücher für den Ferrari 166 Inter, den 166 MM, den 195 Inter, den 212 Export und den 340 America. Es handelt sich um sehr seltene Bedienungs- und Wartungshandbücher, die zeigen, wie sehr sich Ferrari bereits zu jener Zeit genauestens um alle Details gekümmert hat: Die Informationen zu Wartung, Inspektionen und dem Ein- und Ausbau kleiner Teile sind perfekt, äußerst detailliert und reich an Zeichnungen und Diagrammen.

Die am meisten angeklickten Objekte sind natürlich die kleinen Sammlermodelle: Von Modellen aus Kunststoff über Metall bis hin zu Keramik ist alles dabei, darunter auch echte Meisterstücke, wie zum Beispiel der 275P im Maßstab 1:24 des Herstellers Monogram in Originalverpackung. Weiter geht es mit den historischen Children's Cars – genauer gesagt mit zwei Exemplaren von seltener Schönheit: der Ferrari 180 Testa Rossa Children's und der 330 P2. Ersteres Modell beeindruckt durch eine Karosserie aus Aluminium und Speichenräder, jedoch sind seine Proportionen nicht optimal, wie es bei Tretautos oft der Fall ist. Das zweite Modell ist jedoch ein echtes Meisterwerk. Wenig überraschend, dass es vom französischen Autohersteller De La Chapelle realisiert wurde, der sich weltweit mit seinen Bugatti-Repliken (im Maßstab 1:1) einen Namen gemacht hat. Es handelt sich um eine perfekte Nachbildung des Autos, das in Monza, am Nürburgring und im Rahmen der Targa Florio in Rennen gestartet ist. Zur Freude der Kleinen verfügt es neben dem Holzlenkrad und den Ledersitzen auch über einen Verbrennungsmotor, der an ein stufenloses Getriebe angeschlossen ist.

Last but not least überrascht die Auktion mit Objekten von einzigartigem historischem Wert, um die sich die Fans nur so reißen werden: Zum Beispiel die intensive Korrespondenz von Ferrari mit Rennteams, Importeuren, Händlern oder exklusiven Kunden. Dazu zählt auch der Briefwechsel zwischen dem „Drake“ und den privaten Rennställen, die mit Ferraris antraten. Manch einer möchte über die Ankunft eines neuen Modells Bescheid wissen, andere fragen nach Modifizierungen, um bei Rennen bessere Chancen zu haben, wieder andere möchten Autos für bestimmte Rennen zur Verfügung gestellt bekommen. Auf jeden dieser Briefe antwortet Enzo Ferrari höchstpersönlich und erklärt Punkt für Punkt, warum er eine Anfrage annimmt oder ablehnen muss. Dabei geizt er nicht mit Details – sehr zur Freude von Historikern und Sammlern.