SP3JC, zwei ganz besondere One-Off-Modelle von Ferrari

07 März 2019

Michael Harvey

John Collins, ein passionierter Ferrari-Sammler, hat ein ganz besonderes „Zwillingspaar“ in seiner Garage stehen


Es gibt ein Sprichwort unter denen, die an den Ferrari Special Projects (SP) — oft, aber nicht ausschließlich „One-Off-Modelle“ — arbeiten: „Ein SP-Auto belohnt zweimal. Einmal an dem Tag, an dem es geliefert wird, und einmal an all den Tagen zuvor.“ Seinen ganz persönlichen Ferrari in Auftrag zu geben ist in der Tat ein ganz besonderer Vorgang. Es ist — bekanntermaßen — nichts für jedermann. Ferrari entscheidet, welche Kunden dazu eingeladen werden sollen, ein Auto in Auftrag geben zu dürfen. Wenn überhaupt, ist es die Honorierung einer sehr intensiven und langen Beziehung; auf jeden Fall etwas, das man mit Geld allein nicht kaufen kann. Üblicherweise haben solche Kunden jahrzehntelang Autos von Ferrari gekauft und eventuell die Beziehung durch die Teilnahme an Veranstaltungen wie der Cavalcade oder am Fahrertraining mit Corse Clienti weiter gestärkt. 

Oder sie haben vielleicht ihre historischen Autos zur Restaurierung und Werkszertifizierung an die Classiche-Abteilung geschickt. Doch selbst dann gibt es keine Garantie, eine Einladung zu einem One-Off-Auto zu erhalten. John Collins — auf der ganzen Welt bekannt für Talacrest, eine 1989 gegründete Firma, die zu Recht von sich behaupten kann, zumindest ein Modell aller „bedeutendsten“ in Maranello produzierten Autos verkauft zu haben — ist einer der wenigen Auserwählten. Obwohl Collins' Berufsleben mit Ferrari-Oldtimern verknüpft ist, gilt für sein persönliches Leben das Motto „neu, neu, neu“. Wie auch für Enzo Ferrari ist für den Unternehmer immer „das nächste“ das aktuelle Lieblingsmodell aus dem Haus des Cavallino Rampante.

Unter den Ferrari One-Off-Kunden ist Collins wohl einzigartig, denn er hat nicht nur ein, sondern zwei übereinstimmende Modelle. Wir sprechen hier von „übereinstimmend“, doch die beiden Autos — SP3JC getauft, wobei das „JC“ für „John Collins“ steht — sind natürlich alles andere als das: eines ist mit Rechtslenkung, das andere mit Linkslenkung. Und dann ist da selbstverständlich die Sache mit den Lackierungen: Das Auto mit Rechtslenkung fällt durch seine „Azzurro Met“-blauen und „Giallo Modena“-gelben Streifen auf einer Basis von silberweißem „Bianco Italia“ auf. 

Das andere Auto ist „Grigio Silverstone“-mattgrau mit „Bianco Bianco“-weißen Streifen und einer Frontlackierung in glänzendem „Rosso Magma“-Rot. Doch warum die unterschiedlichen Fahrerpositionen? Collins erklärt: „Vor einigen Jahren habe ich auf der Cavalcade ein Leichtmetallrad gegen die Bordsteinkante gesetzt, weil ich sie einfach nicht gesehen hatte. Ich hatte danach geschworen, nie wieder ein Auto mit Rechtslenkung auf der „falschen“ Straßenseite zu fahren.” Collins' Sammlung ist beeindruckend. Sie ist auf zwei Garagen aufgeteilt, die am Ende das Zuhause von 25 neuen Ferraris sein werden.

Die Glanzstücke der ersten Garage sind zwei LaFerrari (ein Coupé und ein Aperta), ein F12, ein F12tdf, ein 812 Superfast und das erste der beiden SP-Autos. Bedeutet das „Immer-an-den-Nächsten-Denken“ nun, dass der Ferrari SP, den er erst kurz vor Weihnachten 2018 erhalten hat, bereits seine Gunst verloren hat? (Und ist jetzt der 488 Pista, der bald kommen wird, sein neuer Augapfel?) Das kann man bei Collins schwer sagen. Er ist stets mit Sonnenbrille unterwegs und spricht im flachen und gleichgültigen Ton (ein Sprachpokerface!) von jemandem, der bei den meisten seiner in Vergangenheit abgewickelten Geschäften ganz klar die Oberhand hatte.

Als Langzeitkunde und -sammler erklärt Collins, wie seine Leidenschaft für Ferrari durch den Filmcharakter Danny Wilde — gespielt von Tony Curtis — entfacht wurde. Dieser fuhr in der TV-Serie „Die 2“ aus den 1970ern einen roten Dino 246 GT. Und diese Leidenschaft ging tief: Pro Jahr hat Collins immer mindestens zwei Autos mit dem Cavallino Rampante gekauft. Besonders stolz ist er auf seine One-Off-Kreationen. Die beiden SP3JC Roadsters stellen ihr unverwechselbares Design zur Schau, das komplett anders als das aller anderen Ferraris ist, die heute auf der Straße unterwegs sind.

„Sie sind einzigartig“, sagt er. „Es wird niemals irgendetwas wie sie geben, denn sie sind die einzigen Sondermodelle, die man jemals auf das F12tdf-Fahrgestell gebaut hat und bauen wird. Und das ist wichtig. Sie sind keine Geldanlage für mich. Sie sind sehr viel wichtiger als das. Sie sind ein Teil der Geschichte von Ferrari. Sie sind mein Teil der Geschichte von Ferrari. Sie sind der Abschnitt in der Geschichte, wo der Name John Collins neben dem von Ferrari steht.”