Ferrari Challenge: der härteste Test

10 August 2017

Text: Jacques Duyver

Cavallino Rampante-Kunde Jacques Duyver erklärt, warum sich bei der Ferrari Challenge alles darum dreht, wer hinter dem Lenkrad sitzt.


Viele Leute träumen davon, einen Ferrari zu besitzen, aber was passiert, wenn man diesen Traum verwirklicht? Auf diese Weise habe ich 2013 meine AM (Amateur)-Rennkarriere im Alter von 48 Jahren gestartet.  Dass ich nicht früher damit begonnen habe, bereue ich, ehrlich gesagt, nicht. In meiner Jugend habe ich es genossen, Unternehmer zu sein, und meine Leidenschaft im Leben war es schon immer, Unternehmen aufzubauen.

 

In Bezug auf Rennerfolge gibt es eine skurrile Statistik, die ich sehr mag: Ich bin Zweiter auf der Liste der belgischen Fahrer mit den meisten Rennsiegen (auf der Liste findet sich auch der Formel 1-Fahrer Stoffel Vandoorne).

 

Mein Debüt habe ich 2013 im Ferrari Challenge-Support-Rennen für die 24 Stunden von Le Mans gefeiert. Für den Anfang war Le Mans sehr beängstigend, besonders mit dem 458C ohne Aero. Das Auto fuhr mit 315 km/h die Mulsanne-Gerade hinunter, die ziemlich haarig war. 

Inzwischen war ich süchtig. 2014 fuhr ich die ganze Ferrari Challenge, wurde Dritter der Saison, und im Jahr 2015 habe ich es geschafft, den Titel zu gewinnen. Mit der Ferrari Challenge können Sie Ihre wahren Fähigkeiten messen. Man kann nur sehr wenig am Set-up des Autos verändern, also liegt so ziemlich alles an den Fähigkeiten des Fahrers, und das fand ich aufregend.

 

2015 und 2016 nahm ich im 458 GT3 an einigen Rennen in der britischen GT-Meisterschaft und am 12 Stunden-Rennen von Abu Dhabi teil, und es gelang mir, den Titel in der AM-Kategorie zweimal (im Jahr 2015 und 2016) zu gewinnen. 2015 war der dreimalige MotoGP-Weltmeister Jorge Lorenzo mein Beifahrer.

 

In diesem Jahr kam ich in die Blancpain Endurance Series, die höchste Stufe der GT3-Rennen weltweit. Etwa 80 Prozent der Blancpain-Fahrer sind Profis, und das macht sie zu einer der härtesten Serien für einen AM.

 

Der Höhepunkt meiner fünfjährigen Rennkarriere kam in diesem Sommer, als ich das 24-Stunden-Rennen von Spa in unserer Klasse vor 50.000 Zuschauern gewann. Die Atmosphäre war unglaublich. Für die meisten Fahrer ist dies das härteste 24-Stunden-Rennen von allen, und nur der Hälfte des Feldes gelang es, die Zielflagge zu erreichen.

Vertrauen ist ein großer Faktor. Mit dem 488 GT3 ist es Ferrari gelungen, einen Rennwagen zu bauen, in dem AM-Fahrer sich wohl fühlen und ihr Potenzial ausschöpfen können. Das ist kein Kinderspiel, wenn man bedenkt, dass viele andere Hersteller Autos produzieren, die für einen AM schwer zu fahren sind.

 

Ich hatte großes Glück, das Michelotto-Werk in Padua besuchen zu dürfen, das den 488 GT3 zusammen mit Ferrari entwickelt. Für mich ist Cristiano Michelotto nicht nur ein Technikgenie, sondern ein Künstler: Es gibt keinen GT-Rennwagen mit schönerem Interieur und Exterieur als den 488 GT3.

 

Beim Thema Rennsport komme ich nicht umhin, über Kessel Racing aus Lugano zu sprechen. Um diese Endurance-Rennen zu gewinnen, braucht es ein unglaubliches Teamwork. Ich habe nun schon ein paar Jahre Erfahrung im Fahrerlager, aber so ein leidenschaftliches und enthusiastisches Team wie Kessel habe ich noch nie gesehen. Alle guten Teams haben hervorragende Teamchefs, und Ronnie Kessel macht einen hervorragenden Job.

 

In meiner kurzen Zeit als AM-Fahrer hatte ich das Glück, sehr viele Erfolge zu erzielen, und ich denke, das hat drei Hauptgründe. Erstens bin ich noch nie ohne die Hilfe eines professionellen Fahrer-Trainers bei einem Rennen oder einer Testfahrt angetreten. Ich hatte das Privileg, mit ein paar von ihnen zu arbeiten, und diese Jungs sind einfach unglaublich. 

Zweitens habe ich immer die Wagen-Telemetrie sorgfältig studiert. Drittens geht es beim Rennen nicht nur über den schnellsten Typen auf der Strecke - es geht auch darum, die Situation zu beurteilen, konsequent zu sein und das Auto ins Ziel zu bringen.

 

Ich habe vor sieben Jahren mit dem Rennsport begonnen, als ich in London lebte und einen Ferrari-Straßenwagen besaß. Jetzt bin ich wieder auf die Straße zurückgekehrt, und ich bin glücklich, eine Reihe von schönen Ferrari-Straßenwagen zu besitzen. Trotzdem liegen hoffentlich noch ein paar Jahre AM-Rennen vor mir. Vielleicht darf ich ja bald auf einigen der verbleibenden großen Rennstrecken in Nordamerika und Asien fahren. Nicht zu vergessen die 24 Stunden von Le Mans...