Dave Snelson Ferrari Hillclimb-Champion

29 November 2017

Text: Matt Master

Unser Treffen mit dem 2017 Pirelli Ferrari Hillclimb Championship-Sieger


Dave Snelson würde sich selbst wohl als ganz gewöhnlichen Menschen beschreiben. Dave nicht David, betont er in seinem warmen Midlands-Timbre vom Fahrersitz seines Giallo Modena 458 aus. Er hat in einer Tankstelle angehalten, um zu plaudern. Das satte Dröhnen des 4,5-Liter-V8 übertönt fast die knackende Verbindung, bis es schließlich verstummt.

 

In Wahrheit ist Snelson alles andere als gewöhnlich. Der 55-jährige Self-Made-Mann hat seine Fahrkünste in Transit-Lieferwagen perfektioniert und gerade erst die 2017 Pirelli Ferrari Hillclimb Championship gewonnen. Damit gesellt er sich zu einer kleinen Gruppe, die in der 30-jährigen Geschichte des Events den Pokal geholt haben.

Firmenchef Snelson kaufte seinen ersten Ferrari – einen 355 – vor 15 Jahren, und von da an ging alles ganz schnell. Nicht weniger als 19 sind seither durch seine Hände gegangen, in seiner Garage steht z.B. ein Rosso Scuderia F430, sowie der 458, in dem er heute sitzt.

 

Die diesjährige Meisterschaft hat er jedoch im F430 gewonnen. Er holte sich den Titel in seiner zweiten Saison und gewann 13 der 23 Rennen, die er bisher bestritten hat. Damit stellte er in Brands Hatch einen neuen britischen Rekord auf. 

 

Zum ersten Mal wurde Snelson auf die Pirelli-Meisterschaft aufmerksam, als er in der Badewanne eine Autozeitschrift las, wie er beiläufig verrät. Seine Frau ermutigte ihn, daran teilzunehmen, und es dauerte nicht lange, bis beide vom Rennfieber erfasst waren.

 

Die Serie steht Ferraris aller Altersklassen offen, und der Wettkampf wird durch ein Handicap-System ausgeglichen, das während der gesamten Saison bemerkenswert knappe Rennen garantiert.

Die Regeln besagen, dass die Fahrzeuge Standardversionen und für die Straße zugelassen sein müssen. Sie werden ohne Unterstützung, Ersatzteile oder Anhänger voller Reifen auf die Rennstrecke gefahren.

 

Es ist ein unkomplizierter Weg in den Einsteigerlevel-Motorsport, denn die straßentaugliche Anforderung sorgt für minimalen Aufwand. Außerdem steht für die wenigen Hürden, die es noch zu überwinden gibt, immer ein freundliches, hilfsbereites Fahrerlager bereit. Das ist Amateur-Rennsport auf höchst demokratische und zugängliche Weise.

 

Es ist dennoch ziemlich hart an der Front, wie Snelson verrät. Zwei Trainingsläufe sind vor zwei Sprints mit Zeitmessung erlaubt, wo Hundertstelsekunden die Spitze des Feldes trennen und voller Einsatz gezeigt wird, wenn Autos mit einer Geschwindigkeit von 190 km/h in uneinsehbare Kurven einfahren. 

 

Ein bisschen Rallye-Erfahrung und wiederholte Besuche auf der „Nordschleife“ des Nürburgrings sind Snelson zugute gekommen, aber selbst er kann sich an verschiedene brenzlige Momente auf dem Weg zu seinem ersten Titel erinnern, darunter ein 100 Meter-Dreher in Prescott bei Vollgas, wo er „ein bisschen den Rasen gemäht hat“, wie er nüchtern erklärt.

2018 wird er seinen Titel zwischen den Tausenden von Kilometern, die er auf Ferrari-Pilgerfahrten quer durch Europa zu ikonischen Fahrzielen zurücklegt, ziemlich sicher verteidigen. „Ich benutze sie, ich poliere sie nicht“, sagt er über seine Autos. „Ich arbeite sehr hart und genieße es, sie zu fahren.“ 

 

Und sie wirklich so zu fahren, wie es ihrer Bestimmung entspricht.