Leidenschaft

Eine neue Privatsammlung zeigt alle jemals gefahrenen Formel-1-Ferraris im Maßstab 1:18
Text: Ross Brown
Fotos: Josh Letchworth

Leidenschaft war die treibende Kraft hinter den letzten 75 Jahren unaufhörlicher Innovation bei Ferrari. In Maranello schlägt das Herz des Cavallino Rampante, von den Mitarbeitern der Ferrari-Familie bis hin zu den von ihnen gebauten Straßen- und Rennwagen. Und jenseits der Fabriktore ist eine riesige Gemeinschaft von globalen Fans und Kunden entstanden, die alle durch ein Gefühl der Zugehörigkeit und eine gemeinsame Leidenschaft vereint sind.  

Die Sammlung gehört dem Argentinier Carlos Fornari und jedes Auto wurde entweder von Spezialisten bezogen oder von Handwerkern handgefertigt

Heute verkörpert diese Leidenschaft eine Welt von Ferrari, die das aktuelle Modellangebot des Cavallino Rampante übersteigt. Das zeigt sich auf den Mailänder Modelaufstegen, in den Restaurierungsarbeiten der Classiche-Handwerker und, in diesem Fall, in einer Modellsammlung im Maßstab 1:18 mit allen Ferrari-Formel-1- und -2-Autos, die jemals bei Rennen angetreten sind. Das entspricht 127 Autos und sechs Prototypen.  


Die Sammlung befindet sich in Miami und gehört dem Argentinier Carlos Fornari. Sie enthält alle Autos, die von der Scuderia zwischen 1948 und 2021 gefahren wurden. Jedes Auto wurde entweder von Spezialisten bezogen oder von Handwerkern handgefertigt. Für sie alle gilt: Sie müssen hinsichtlich Lackierung, Mechanik und Aerodynamik exakt den Spezifikationen des damaligen Rennwagens entsprechen. 


Die Sammlung enthält alle Autos, die von der Scuderia zwischen 1948 und 2021 gefahren wurden

Diese Liebe zum Detail zeigt sich an Beispielen wie dem F2001, den Michael Schumacher nach dem 11. September in Monza fuhr, der keine Lackierung und eine schwarze Nase hatte. Mit dabei ist auch der erste F1-Ferrari mit Heckmotor (der 246 P), der 375 von José Froilán González (der erste Ferrari, der ein F1-Rennen gewann) und der 126 C, das erste Auto mit Turbomotor, das 1980 von Gilles Villeneuve in Imola getestet wurde.


Die Einhaltung der Regeln ist von größter Bedeutung und ruft zugleich die Erinnerung an einige der großen Ferrari-Legenden der Formel 1 wach. Zum Beispiel war Juan Fangios Sieger-Ferrari beim Großen Preis von Italien 1956 nicht das gleiche Auto, in dem er das Rennen startete. Als er ausfiel und seine Hoffnungen auf den Gewinn der Fahrermeisterschaft zunichte schienen, fuhr sein Scuderia-Teamkollege Peter Collins prompt in die Boxengasse und bot ihm sein Auto an. Fangio nahm das Angebot an und überquerte die Ziellinie als Zweiter hinter Stirling Moss, so gewann er die Meisterschaft. Und es ist dieses Auto, Nummer 66, das es in die Sammlung im Maßstab 1:18 geschafft hat.


Es sind über 127 Autos ausgestellt, alle im Maßstab 1:18

Die Zusammenstellung der Sammlung hat einige Zeit gedauert. Als die Scuderia Ferrari 2010 ihr 800. Rennen in der Formel 1 beim Großen Preis von Türkei fuhr, wurde die Frist gesetzt, alle jemals gebauten F1- und F2-Autos rechtzeitig zum 1000. Rennen fertigzubekommen. Leider war das aufgrund von Covid nicht zu schaffen. Zum 75-Jahr-Jubiläum von Ferrari in diesem Jahr wurde jedoch ein überarbeiteter Plan – mit allen F1- und F2-Modellen sowie den Fahrern, die mindestens dreimal für die Scuderia gefahren sind – verwirklicht.

 

Wie heißt es so schön? Wenn schon, denn schon. So ist diese Sammlung zwar vollständig, aber immer offen für besondere Neuzugänge. Es gibt zum Beispiel zwei 312 73-Autos, aber der 312 73, den Jacky Ickx auf dem Circuit de Montjuïc, Spanien, gefahren ist, käme nicht ungelegen. Er ist rot mit einem gelben Streifen entlang der Vorderseite. 


Welche Pläne hegt ein Sammler, der seinen Traum verwirklicht hat, alle F1-Autos zu sammeln, die jemals Rennen gefahren sind, als nächstes? Nun, nächstes Jahr steigt Ferrari wieder in die FIA-Langstrecken-Weltmeisterschaft ein. So liegt der Fokus bereits auf einer Ferrari-Sportwagen-Sammlung.