599XX
Ausgehend vom 599 GTB Fiorano bauten die Techniker in Maranello ein speziell für den Rennstreckeneinsatz konzipiertes Extremfahrzeug. Vom 599 GTB Fiorano behält der 599XX die traditionelle Transaxle-Bauweise und Triebwerksaufteilung bei.
Am Motor wurden bedeutende Eingriffe vorgenommen, die den Brennraum sowie den Ansaug- und Auslasstrakt betrafen. Diese Maßnahmen gewährleisten eine Reduzierung der Reibung zwischen den verschiedenen Mechanikorganen und eine auf 9.000 U/Min erhöhte Höchstdrehzahl. So wird die geforderte Höchstleistung von 730 PS erreicht.
Ein ganz besonderes Augenmerk galt der Gewichtsminderung zahlreicher Komponenten des Triebwerks. Dies wurde einerseits durch eine Optimierung der Formen, wie im Falle der neuen Kurbelwelle, und andererseits durch den Einsatz edler Materialien, wie Carbonfaser für den Ansaugtrakt, erreicht. Was das Getriebe anbelangt, so kommt an diesem Wagen ein neues Schaltsystem zum Einsatz, das die Gangwechselzeit auf 60 ms heruntersetzt.
Am 599XX wurde auch die Elektronik auf innovative Weise eingesetzt. Durch das System mit dem Namen „High Performance Dynamic Concept” ist der Wagen extrem reaktionsschnell, da die Kombination der Grenzen der Mechanik mit dem Leistungspotential der elektronischen Steuerungen optimiert verwaltet wird. Mechanik und Elektronik arbeiten also Hand in Hand, um auch unter extremen Bedingungen immer Spitzenleistungen aus diesem Wagen herausholen zu können. Das sportliche Handling wird durch den Einsatz von Federungen mit magnetorheologischer Dämpfungskontrolle der zweiten Generation verbessert. Ein „virtueller Fahrzeugingenieur“ unterstützt den sportlichen Fahrstil, indem er Effizienz und Einsatzbedingungen des Fahrzeugs in Echtzeit überwacht und im Cockpit die erforderlichen Informationen anzeigt.
Die Aerodynamikstudien am Wagenkörper sahen zahlreiche Tests im Windkanal vor, durch die eine Stützlast von 280 kg bei 200 km/h (630 kg bei 300 km/h) erzielt werden konnte. Der Karosserieboden wurde komplett verkleidet und die für die Kühlung der Motorkühlflüssigkeit erforderlichen Luftauslässe wurden auf die Haube verlegt. Zum allerersten Mal kam hier das „Actiflow™-System” zum Einsatz. Es trägt zur Steigerung der Stützlast und zur Senkung des Widerstand bei unterschiedlichen dynamischen Bedingungen auf der Rennstrecke bei. Diese Lösung erforderte den Verbau von zwei Lüftern im Kofferraum, die dank eines porösen Materials im Diffusor die Luft vom Fahrzeugboden ansaugen, um sie über die beiden Gitter auf der Höhe der Heckscheinwerfer wieder auszustoßen. An den Finnen erhöht eine seitliche Rippe die Stützlast. Außerdem werden mit so genannten „Synthetic Jets” künstliche Luftströme am Fahrzeugheck geschaffen. Dadurch wird der Sogeffekt der Nachlaufströmung kontrolliert und der Luftwiderstand reduziert. „Schließlich wurden nach dem Vorbild der Formel 1 so genannte „Wheel Donuts” eingeführt. Es handelt sich dabei sozusagen um Schirme, die die Bremsscheiben und die Felge teilweise verkleiden und so die Aerodynamik und die Kühlung verbessern.
Die Karosserie wurde auch im Hinblick auf die Materialverwendung neu interpretiert. So kommen Verbundwerkstoffe und Carbonfaser stark zum Einsatz. Außerdem wurden dank der in der Anwendung von Aluminium gesammelten Erfahrungen neue Technologien angewandt, um eine Gewichtsverringerung zu erreichen. Von der Entwicklung leistungsstärkerer Materialien profitiert auch die Bremsanlage. So kommt beim Bremsbelag ebenso Carbonfaser zum Einsatz, was eine Verkleinerung des Bremssattels erlaubt, ohne die Leistungsfähigkeit zu beeinträchtigen. Die neue Racing-Bremsanlage aus Carbon-Keramik erlaubt daher noch kürzere Bremswege und eine allgemeine Leistungsverbesserung.
Die Slickreifen (29/67 R19 vorne und 31/71 R19 hinten) sind auf Felgen von 19 x 11J (vorne) und 19 x 12J (hinten) aufgezogen. Sie wurden spezifisch für den 599XX entwickelt, um zur Optimierung der Kurvenstabilität und einer Erhöhung der Seitenbeschleunigung beizutragen.